DIE SAMMLUNG JOSEF FINK

Aus Anlass des 10. Todestages des steirischen Künstlers, Theologen, Kunstförderers und Sammlers Josef Fink unternimmt eine Ausstellung in Zusammenarbeit mit dem Kulturzentrum bei den Minoriten, das Fink als Gründungsrektor mehrere Jahrzehnte leitete, den Versuch, Finks Rolle als Impulsgeber für die jüngere Generation steirischer KünstlerInnen zu beleuchten. Arbeiten aus der von ihm der Diözese Graz-Seckau gestifteten Sammlung sind in der KHG-Galerie und im Grazer Priesterseminar zu sehen. Während die von Johannes Rauchenberger und Roman Grabner kuratierte Ausstellung in der Galerie des Kulturzentrums bei den Minoriten wenig bekannte und noch nie gezeigte Arbeiten aus dem Nachlass von Josef Fink zeigt, sind in der von Alois Kölbl und Julia Schuster kuratierten Zusammenstellung der KHG-Galerie Werke von KünstlerInnen, die sich den Impulsen von Rektor Fink verdanken und künstlerischen WegefährtInnen zu sehen.

In Ausstellungen im von ihm gegründeten Kulturzentrum bei den Minoriten, aber auch in den Künstlerklausuren im oststeirischen Schloss Poppendorf, in Israel und am Sinai gelangen wichtige Impulse für die steirische Kunstszene. Im Lauf der Jahre ist aus Finks vielfältigen Künstlerkontakten durch Ankäufe, Tausch und Schenkungen auch eine beträchtliche Sammlung zeitgenössischer Kunst erwachsen, die Werke steirischer und internationaler KünstlerInnen vereinigt. Rektor Josef Fink hat die mehrere hundert Blätter umfassende Sammlung dem Grazer Priesterseminar als Beitrag zur künstlerischen Bildung der Seminaristen, aber auch zur Sicherung für künftige Generationen übergeben. Sie wurde der von Regens Josef Schneiber begründeten Kunstsammlung des Hauses einverleibt und ist inzwischen katalogisiert und digitalisiert zugänglich. Die Ausstellung aus Anlass des zehnten Todestages, die sich auf Graphik und Arbeiten auf Papier konzentriert, versucht in einer Auswahl einen repräsentativen Querschnitt zu zeigen und mit Werken und Werkgruppen unterschiedlicher, zentraler künstlerischer Positionen etwas vom Geist der Sammlung zu vermitteln.

Die Sammlung trägt die sehr persönliche Handschrift von Josef Fink, in ihr spiegeln sich seine Tätigkeiten als Ausstellungskurator und Initiator von Künstlerklausuren, aber auch seine Freundschaften und sein Austausch mit KünstlerkollegInnen . So weisen etwa die in der Sammlung befindlichen Blätter von Joseph Beuys und Antoni Tàpies darauf hin, dass Fink im Vorfeld des Katholikentages 1983 diesen beiden internationalen Positionen Werke der Steirer Gottfried Fabian und Hannes Schwarz gegenüberstellte. Im Rahmen der Künstlerklausur 1985, deren Ergebnisse im „Steirischen Herbst“ des selben Jahres präsentiert wurden, sind die gestischen Zyklen des damals in der Kunstszene schon arrivierten Kärntners Hans Staudacher und seines damals noch jungen steirischen Künstlerkollegen Hans Jandl entstanden, die in der KHG-Galerie gegenübergestellt werden. Insgesamt versucht die Werkauswahl einen Dialog damals bereits klassischer Positionen wie Vevean Oviette, Rudolf Pointner, Fritz Hartlauer oder Gerhard Lojen mit KünstlerInnen, die bei der Aufnahme in die Sammlung noch zur „jungen Szene“ zählten wie Hannes Priesch, Eva Patz, Josef Fürpaß oder Manfredu Schu.

Eine lange Freundschaft verband Josef Fink mit dem Priester und Künstler Herbert Falken, der immer wieder in Graz und der oststeirischen Heimat von Josef Fink zu Gast war. Falken hatte nach einer Kaufmannslehre das Abitur nachgeholt und dann Theologie studiert. Als Künstler ist dem Autodidakten der internationale Durchbruch mit der Teilnahme an der documenta VI (1977) gelungen. In der Ausstellung ist er neben sehr persönlichen, Josef Fink und Edith Temmel gewidmeten Blättern mit einem dunklen Aquarell aus der Serie der Gitterköpfe vertreten. Sie entstanden aus der Auseinandersetzung mit der Mystik des Johannes vom Kreuz, dessen Texte Falken zurückgezogen in einem oststeirischen Bauernhaus meditiert hatte.

KünstlerInnen: Joseph Beuys, Maurizio Bonato, Yael David-Cohen, Therese Eisenmann, Gottfried Fabian, Herbert Falken, Brunhilde Fernandez, Josef Fürpaß, Hermann Glettler, Peter K. Gröschl, Fritz Hartlauer, Adi Holzer, Helmut Kurz-Goldenstein, Hans Jandl, Doris Jauk-Hinz, Dietmar Kiffmann, Gerhard Lojen, Stefan Maitz, Aurelia Meinhart, Ingrid Moschik, Franz Motschnig, Alois Neuhold, Vevean Oviette, Eva Patz, Brigitte Pfaffenberger, Rudolf Pointner, Hannes Priesch, Hans Staudacher, Antoni Tàpies, Edith Temmel, Elfriede Trautner, Herwig Zens, Leo Zogmayer

KHG-Galerie, Leechgasse 24 + Priesterseminar, Bürgergasse 2, II. Stock

Öffnungszeiten KHG-Galerie, Leechgasse 24: tägl. 10:00 - 19:00, bis 21. DEZ.http://galerie.khg-graz.at/

Öffnungszeiten Priesterseminar, Bürgergasse 2, II. Stock: MO - FR 8:00 - 16:00)

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KONTAKT: Christine Hollerer, (0316) 32 26 28 - 19, hollerer@khg-graz.at

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LINKS:

> Ausstellung Josef FINK: KUNST ALS ERNSTALL DES LEBENS (Minoriten Galerien)

> Josef FINK: Werk, Biographie, Information (Familie Koller)

 

 

GITTERBILDER
„Ich habe um Mystik stets einen Bogen gemacht, auch weil damit zunehmend Modisches verbunden wird. Auch fürchtete ich um Welt- und Gesellschaftsflucht. Dennoch sprach man immer mehr von mystischer Nähe in meinen Bildern, besonders mit Johannes vom Kreuz (1542-1591) und der dunklen Nacht hätten meine Arbeiten zu tun. Als schließlich die Einladung zu einer internationalen Sammelausstellung mit meiner Beteiligung eintraf, habe ich mir die Schriften des spanischen Mystikers besorgt und mich 1991 für eine gewisse Zeit in ein offen gelassenes Waldhäuschen der Südsteiermark zurückgezogen. Einsamkeit, Ruhe und der Verzicht auf Komfort versetzten mich in einen Zustand fast von Initiation. In der Abgeschiedenheit schrieb ich abends die Gedichte des Johannes vom Kreuz ab in der Hoffnung auf besseres Verständnis und das Erfassen ihres geistlichen Klimas. Und während ich nächtens ein ganzes Buch mit meinem Geschreibsel füllte, veränderten sich tagsüber meine Bilder. Ich hatte mich in Selbstbeschränkung auf Schwarzaquarelle mit breiten Pinsellasuren festgelegt, wobei ich Stellen des Papiers jeweils unbemalt ließ. Die schwarzen Flächen wurden über längere Zeit des Einfärbens, Trocknens und Abwartens schwärzer und schwärzer. Und ich war erst dann mit meiner Arbeit zufrieden, wenn die weißen, unbemalten Zonen kontrastierend zum sie umgebenden Schwarz eine Sogwirkung ausübten. Ich hatte und habe den Eindruck, dass ich so zu einer Ahnung von Transzendenz gelangte, die sich im Bilde selbst ereignet. Aber ist das bereits Mystik? - Ich nenne übrigens meine neuesten Arbeiten „Gitterköpfe“ und weiß um die Gefahr von Missverständnissen, die dieser Begriff nicht selten auslöst. Trotz des weit getriebenen Abstraktionsgrades kommen die schwarz-weißen Gebilde der letzten Jahre von der vorher oft geübten Form des Kopfes her. Meine Überraschung war perfekt, als jemand jüdische Erfahrung in meinen Bildern entdeckte und sich auf die mittelalterliche Lichtmystik der Kabbala mit ihrer Vision von Lichtkanälen in der Schöpfung berief. (Verweis auf Buch Bahir Ende des 12. Jh. n. C. und Psalm 139,12). Als ein anderer angesichts meiner Schwarzaquarelle von „Zen-Kreisen“ sprach, überkam mich die beglückende Erkenntnis von einer religionsübergreifenden Sprache meiner Bilder.“

7.5.1995, Herbert Falken